Archiv für den Monat: Juni 2014

Gleichgewicht – Suche nach Halt

Gleichgewicht – Suche nach Halt

Der Prozess des Entstehens, im fließenden Übergang zum Vergehen, ist ohne Anfang und Ende. In diesem Strom treiben die Existenzen und wirbeln durch die Zeit.

Ruhe und Beständigkeit herrschen nur in den mehr oder weniger langen Zuständen der Gleichgewichtigkeit der einwirkenden Kräfte. Hier scheinen die Turbulenzen beruhigt und zum Stillstand gekommen zu sein. Diese Periode erzeugt ein Gefühl von Sicherheit.

Die bewegenden Kräfte sind immer noch aktiv vorhanden. Gegeneinander wirkend, egalisieren und stabilisieren sie sich jedoch. Um die Periode der Stabilität und Sicherheit zu verlängern muss permanente Anstrengung aufgebracht werden. Jeder überhandnehmenden Kraft muss eine verstärkte Gegenkraft entgegengesetzt werden.

Der Halt und die damit verbundene Sicherheit sind nichts Festes. Die gegeneinander wirkenden Kräfte können jederzeit wieder in turbulente, chaotische, haltlose Bewegungen kommen.

Der gotische Turm – eine vertikale Waage

 Beim gotischen Turmbau wurden die Kräfte der Statik, des Lastenden und Tragenden, des Schweren und Gestützten, die Eigenschaften des Materiellen, bis an die maximalen Grenzen benutzt, um möglichst weit vertikal nach oben bauen zu können. Dieser enorme Aufwand wurde betrieben um über die höchste Ausdehnung, den äußersten Punkt, Kontakt zur überirdischen Welt, zur göttlichen Sphäre zu erreichen. In diesem anderen Raum sollte die Idealvorstellung, das „himmlische Jerusalem“ entstehen.

So kann die gotische Idee als das Bild einer vertikalen Waage begriffen werden, auf deren einen unteren Seite sich das Irdische befindet und auf der anderen oberen Seite das himmlische, göttliche Jenseitige.

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Ulmer Münster red

Spitze des Ulmer Münster-Turmes