Archiv für den Monat: Januar 2014

Das Bild des Gleichgewichts

Das Bild einer Waage

Zwei gleich schwere Dinge erzeugen, jeweils auf die beiden Seiten einer Waage gelegt, eine ausgeglichene Balance. Das Gleichgewicht erzeugt Ausgleich und Ruhe.

Eine einfache Waage bewegt sich nur in einer (senkrechten) Ebene, links rechts, unten oben.

Das Ungleichgewicht entsteht durch die Mehrbelastung einer Seite. Diese wird nach unten gedrückt und verharrt dort.

Das Bild eines komplexen Systemes

Viele unterschiedliche Dinge und Wirkungen beeinflussen sich, oft zeitlich verschoben, manchmal unerwartete Reaktionen hervorbringend. Das Gleichgewicht ist ein laufender Prozess von Veränderung und Bewegung.

Das Ungleichgewicht entsteht durch extremer werdende Beeinflussungen und dadurch chaotisch werdende Reaktionen und Turbulenzen, die nicht mehr beruhigt werden können und immer mehr zum Kollaps des Systems führen.

Die zwei Zustände des Gleichgewichts

Die zwei Zustände des Gleichgewichts

die Kugel liegt zentriert auf der Bergspitze

oder

die Kugel liegt im Tal

Auf der Spitze kann die Kugel nur mit äußerster Anstrengung gehalten werden.

Die Tragik des Scheiterns ist absehbar.

Die Kugel ruht im Tal:

der endlos ohnmächtige Zustand nach dem Absturz

Dazwischen ist die Zeit der Bewegung, des Hinabrollens,

vielleicht die kurze Spanne des Glücks.

Nur ein Sisyphus kann einen neuen Versuch wagen.

Veränderungsprozesse

In der aktuellen Ausgabe (4.Oktober 2012) der Wochenzeitung „Die Zeit“ habe ich den Artikel über den Klimawandel „Der große Selbstbetrug“ gelesen. Hier wird beschrieben, dass das Ziel die Erderwärmung auf zwei Grad zu beschränken nahezu nicht erreichbar ist, sondern sich die Erde um 4 Grad mehr bis zum Ende des Jahrhunderts aufheizt. „Die wichtigste Voraussetzung menschlicher Zivilisation – dass es nämlich eine natürliche Umgebung gibt, auf die man sich einstellen kann – ist in einer Vier-Grad-Welt nicht erfüllt. Jahreszeiten, Vegetationsmuster, Küstenlinien ändern sich, nicht nur einmal, sondern fortwährend, wahrscheinlich für Jahrhunderte. Der Meeresspiegel steigt schnell. Wälder, sowohl in den Tropen als auch in der nördlichen Hemisphäre, machen Steppen oder Wüsten Platz und setzen dabei gewaltige Mengen Kohlendioxid frei, das den Klimawandel weiter beschleunigt. Dazu kommen unberechenbare Veränderungen der Meeresströmungen in Atlantik und Pazifik mit unabsehbaren Folgen – nicht nur, aber auch für die Temperatur in Europa.“ “ Auch im günstigsten Fall dürfte es Millionen von Menschen das Leben kosten.“

„Der Streit um den Klimaschutz ist ein gesellschaftlicher Konflikt, es geht um Kraftwerke, Verkehrsmittel, Siedlungsstrukturen, es geht um Wachstum und Verzicht, überall stehen Ökoreformer gegen Vertreter des Weiter-so-ähnlich.“

Das bestehende Gleichgewicht ist schon zu gestört und die weiteren zusätzlichen Belastungen des Klimasystems werden nur durch äußerste, kaum zu vollbringende globale Anstrengungen, genügend zu reduzieren sein.

Wir erkennen zu spät, wann ein komplexes System sich stark ändert, obwohl es schon lange Vorwarnungen gab.

Nur durch massives Gegensteuern kann der extreme Ausschlag verhindert werden. Um die Situation zu erkennen und eine längerfristige Verhaltensveränderung zu bewirken ist jedoch ein entsprechendes Bewußtsein des Einzelnen wie der Staatengemeinschaften erforderlich.

Und die Veränderungsprozesse laufen…

Zitat von Piet Mondrian

eingereicht von Anna-Sopfia von Riedesel

«Kunst ist nur ein Mittel, um dieses ewige Gleichgewicht zu erreichen. Wir müssen ein konkretes Gleichgewicht entdecken und schaffen. Wissenschaft, Philosophie, alle abstrakten Schöpfungen, wie die Kunst, sind Mittel, um dieses Gleichgewicht zu erreichen.»

„Gleichgewicht“ bei Friedrich Schiller

eingereicht von Dr. Hermann Schmidt

Friedrich Schiller:
Einen bemerkenswerten Hinweis auf die Frage nach dem Gleichgewicht gibt Friedrich Schiller im 20. Brief seiner Schrift Über die ästhetische Erziehung des Menschen. Dort heißt es: „Die Schalen einer Wage stehen gleich, wenn sie leer sind; sie stehen aber auch gleich, wenn sie gleiche Gewichte enthalten.“
Dem Bild von der Waage im Gleichgewicht geht im 19. Brief eine Analyse des Spieltriebs voraus, der sich aus der Dynamik des Widerspruchs von Stofftrieb und Formtrieb entwickelt. Im ästhetischen Zustand des Spieltriebs sieht Schiller den Ursprung der Freiheit des Menschen angesiedelt. Dabei erinnert Schiller in diesem Zusammenhang nochmals an den Menschen als ein Wesen, das sich durch den sinnlichen und vernünftigen Trieb bestimmt. Stehen sich beide gleich stark gegenüber ergibt sich eine Balance, in der sich der Spieltrieb entfalten kann.
Wenn Schiller dann im 20. Brief das Bild von der Waage gebraucht gelingt ihm eine vertiefende Einsicht der Balance der widersprüchlichen Triebe, die ihn zu einer Definition des Ästhetischen führt. Im Gegensatz zu anderen Vermögen des Menschen, beispielsweise zu physischen, logischen und moralischen Beziehungen des Gemüts auf eine Sache, vermittelt das Bild des Gleichgewichts, dass im ästhetischen Zustand alle Gemütskräfte – die sinnlichen wie auch die vernünftigen – gleichzeitig und gleichermaßen angesprochen sind. Auf diese Weise ist der ganze Mensch betroffen, sodass sich das Gemüt völlig frei zwischen allen Möglichkeiten bewegen kann. Schiller spricht in diesem Sinne vom ästhetischen Zustand als einer „freien Stimmung“ und charakterisiert sie zugleich als eine „erfüllte Unendlichkeit.“ – Unendlich, weil hier alle Möglichkeiten gegeben und alle Wege offen stehen, allerdings unter der Voraussetzung eines aufrecht zu erhaltenen Gleichgewichts.

Komplexe Systeme

Nichts ohne das Andere

wie uns komplexe Systeme beeinflussen

Objekte, die erst durch das komplexe Zusammenspiel der Einzelteile ihr Aussehen und Funktion bekommen und bei denen die Veränderung eines Teiles das Ganze wesentlich verändert, haben mich schon lange Zeit interessiert. So sind auch viele meiner künstlerischen Arbeiten aufgebaut.

In verschiedenen Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften habe ich sporadisch immer wieder über die Untersuchungen im naturwissenschaftlichen Bereich von komplexen Systemen gelesen. Besteht zwischen dem vermehrten Auftauchen dieses Begriffes und meiner künstlerischen Arbeit ein Zusammenhang?

Wie jeder erfahren hat, entstehen in immer rascherer Abfolge globale Veränderungen. Manche sind plötzlich da, andere entstehen langsam, beginnen kaum merklich.

Wer hätte noch vor kurzem geglaubt, dass in Nordafrika solche politische Umwälzungen stattfinden? Soziale und politische Spannungen und Unzufriedenheit waren wohl schon länger vorhanden. Durch eine neue von außen kommende Möglichkeit wurden die Revolutionen ausgelöst und ermöglicht: durch das neue Kommunikationsmittel Internet. Es war jetzt möglich, schnell und weiträumig Informationen auszutauschen und sich zu verabreden. Damit hatte niemand gerechnet.

Unerwartet, auch von Fachleuten, wurden wir vor nicht all zu langer Zeit von einer weltweiten Wirtschaftskrise überrascht.

Ein weiteres Beispiel: Ein hochkompliziertes System, auch mit großen Sicherheitsvorkehrungen, die Atomkraftwerke in Fukushima in Japan, wurden durch einen unerwarteten Auslöser, durch ein Erdbeben mit Tsunami, zum Kollaps gebracht. Dabei wurde offensichtlich, so zeigten es die Nachrichten, dass niemand mehr wusste was in den Reaktoren passierte.

Manche großräumige Veränderungen vollziehen sich zunächst langsam, haben jedoch um so markantere Auswirkungen, wie die globale, von Menschen verursachte Klimaerwärmung. Dadurch breiten sich unter anderem Wüstengebiete aus. Die dort lebende Menschen finden kein Auskommen mehr und ziehen weg. Migrationsdruck entsteht.

Die Erforschung der Dynamiken und Wechselwirkungen von komplexen Systemen ist ein relativ neues Forschungsgebiet der verschiedenen Wissenschaften und auch deren interdisziplinären Verbindungen. Dies erforschen z.B. das „Max Plank – Institut für Physik komplexer Systeme“ oder das „interdisziplinäre Zentrum für komplexe Systeme“ der Universität Bonn, um nur zwei zu nennen.

Was ist nach wissenschaftlicher Vorstellung ein komplexes System?

Verschiedene Einzelteile stehen miteinander in einer Wechselwirkung und beeinflussen sich gegenseitig. z.B. Wassermoleküle im Wasser oder im sozialen Bereich Vater, Mutter, Kinder und das Komplexe: die Familie.

Komplexe Systeme sind meist auch offene Systeme. Sie stehen mit ihrer Umwelt in aktiver Verbindung und tauschen Energie mit ihr aus, z.B. erhält der Ozean Einträge durch die Zulaufflüsse und er gibt wieder Wasserdampf an die Atmosphäre ab.

Diese Systeme haben Mechanismen zur Bildung stabiler Strukturen durch Selbstorganisation. Diese können in der Lage sein Informationen zu verarbeiten und sogar daraus zu lernen.

Selbsregulierende Kräfte können Gleichgewicht und Balance verstärken und so stabilisierend wirken.

Jedoch besteht auch die Möglichkeit, dass minimale Veränderungen in den Anfangsbedingungen oder kleine Störungen zu völlig unterschiedlichen Entwicklungen und Ergebnissen führen können. In manchen Bereichen können die Anfangsbedingungen nicht genau bestimmt werden, weil sie nicht exakt genug messbar sind oder weil sie sich der Bestimmbarkeit überhaupt entziehen. Aus der Chaosforschung, die solche offenen Entwicklungen mathematisch dargestellt hat, ist dies als „Schmetterlingseffekt“ bekannt geworden. In bestimmten fragilen Situationen kann sogar der minimale Einfluss eines Schmetterlingflügelschlags zu der langfristigen Veränderung des Wetters führen.

Die Abfolge der Ereignisse kann, durch unterschiedliche Faktoren bedingt, in ein Verhalten kommen, das nicht mehr vorhersagbar und klar berechenbar ist. Es kommt zu einem chaotischen Verhalten. Es bestehen immer wieder verschiedene nahezu gleichwertige, jedoch unterschiedliche Möglichkeiten der Weiterentwicklung.

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In komplexen Systemen erscheint Emergenz. Durch das Zusammenwirken der Einzelteile können für das Ganze unerwartete neue Eigenschaften auftreten. Untersucht man die Einzelteile, so kann man daraus nicht auf die Möglichkeiten des Gesamten schließen. Gas besitzt „Druck“ und „Temperatur“. Die einzelne Moleküle sind ohne diese Eigenschaft. Oder: aus der neurologischen Untersuchung des Gehirns kann man nicht auf das Vorhandensein eines Bewusstseins schließen. Oder: Aus der Betrachtung eines Fingers kann man nicht die Greiffähigkeit der ganzen Hand erkennen. Das Ganze ist mehr als die Einzelteile. Eigenschaften der makroskopischen Welt können nicht durch Eigenschaften der mikroskopischen Welt erklärt werden. Neue Verbindung von Einzelteilen können nicht vorhersagbare Eigenschaften, Zustände und Verhalten hervorbringen.

Betrachtung Komplexer Systeme in den verschiedensten Wissenschaftsbereichen:

In der Physik wird zum Beispiel das Verhalten von Atomen untersucht, die durch Selbstorganisation kleinste Verbindungen herstellen. So können im Computerbau , wo immer winziger werdenden Bauteile durch keine Maschine mehr gefertigt werden können, diese produziert werden.

In der Biologe wird das ökologische Zusammenleben von Populationen mit den Strukturen offener komplexer Strukturen betrachtet, wie das Wechselverhalten von Raubtier- und Beutetierpopulationen.

In den Wirtschaftswissenschaften wird von einer gewissen Selbstorganisation von Angebot und Nachfrage ausgegangen. Jedoch können die verschiedensten Einflüsse, wie Spekulationen oder plötzlich änderndes Konsumverhalten darauf einwirken.

Weiter Forschungsgebiete der komplexen Systeme sind in der Chemie, der Wetterkunde, den neuen Medien, dem Internet, bei der Suche nach künstlicher Intelligenz. Auch in der Soziologie, der Medizin, der Neurologie, der Psychologie werden Abläufe mit dieser Methode betrachtet. Die Mathematik versucht entsprechende Formeln dazu mit nichtlinearen Differentialgleichungen zu modellieren. Es gibt wohl mittlerweile kein Gebiet, das nicht in dieser Weise betrachtet wird.

Der Mensch selbst ist, wie wir wissen und laufend auch an uns selbst feststellen, ein komplexes System.

Schon bei seiner Entwicklung können kleinste Veränderungen in der DNA zu einer anderen Persönlichkeit führen.

Wir sind in ständigem Austausch mit unserer Umwelt verbunden. Einflüsse in einem Bereich können sich woanders auswirken. Wird jemand im sozialen Bereich gemobbt, so können dadurch neben psychischen Beeinträchtigungen auch körperliche Krankheiten auftreten.

Wir sind eingebunden in Kreisläufe der Natur und Zeitrhythmen, die durch kosmische Bewegungen vorgegeben sind. Die Sonne gibt Tag und Nacht und die Jahreszeiten vor.

In der analytischen Betrachtung der klassischen Naturwissenschaft wird das Ganze in immer kleinere Einheiten zergliedert um dieses zu untersuchen und zu verstehen.

Pierre Simon de Laplace (1747 – 1827) meinte Anfang des 19. Jahrhunderts die Natur berechnen zu können, wenn alle Kraftgesetze und Anfangsbedingungen bekannt sind. Dieser Glaube hielt sich bis lange ins 20.Jahrhundert.

Jedoch wurde im Bereich der Naturwissenschaften mittlerweile erkannt, dass es Grenzen des Erfassens dieser kleinsten Bereiche gibt, wie es in der Quantenphysik die Heisenbergsche Unschärferelation darstellt.

Dieses rein deterministische, konstruktive Weltbild ist durch das naturwissenschaftliche Erkennen von emergententen Phänomenen und dem oft chaotischen Verhalten komplexer Systeme überholt. Der Anspruch auf die Berechenbarkeit und Konstruierbarkeit der Welt besteht nicht mehr in dieser Weise. Die Wissenschaft rechnet jetzt mit Wahrscheinlichkeiten, Unbestimmtheiten und chaotischen Entwicklungen. Die reduktionistische atomisierende Methode der Naturwissenschaft hat sich umgedreht.

Methoden der asiatischen Philospphie die Komplexitäten der Welt zu erfassen

Schon vor über 2000 Jahren beschäftigte sich die asiatische Philosophie mit der Betrachtung des menschlichen Verhaltens als Teil eines höchst komplexen wechselwirkenden Systems von Natur und sozialer Umgebung. Dabei wurde versucht die oft undurchschaubaren, nicht logisch zu begreifenden Abläufe doch in ihren überraschenden Veränderungen zu erfassen. Das „I Ging“, das „Buch der Wandlungen“, ein Orakelbuch, das dem taoistischen Gedankengut zugerechnet wird, kann man als eine frühe Beschreibung von Wechselfällen des Lebens sehen. Es bietet eine Handlungsanweisung das Gleichgewicht zwischen Erde, Himmel und Mensch wieder herzustellen. So vertraut auch Laotse auf eine gewisse natürliche Selbstorganisation, wenn er sagt: „die Dinge hervorbringen aber nicht beherrschen“.

Im Zen-Buddhismus wird die Aufgabe gestellt über einen absurden Satz zu meditieren, wie: „stell dir das Klatschen mit einer Hand vor“. Diese intensive Meditation soll den eigenen Bewußtseinszustand und das Erkennen der Welt ändern. Meines Erachtens ist dies eine Methode die normalerweise für unseren Verstand nicht zu begreifende Emergenz zu erfassen. Schon auf der unteren Ebene, der Ebene der Einzelteile, also der Ebene der einen Hand, muss die nächste komplexe Ebene, die der Möglichkeit der zwei Hände, das Klatschen, erfasst werden. Eine Unmöglichkeit für das logisch kausale additive Denken.

Erst durch das Loslassen des logischen Denkens und dem inneren Erkennen von Ganzheitlichkeit kann das Komlexe direkt erkannt werden.

Intuition und Kunst als Möglichkeit komplexe Bereiche zu erfassen

„Intuition“ wird umgangssprachlich als „Bauchgefühl“ bezeichnet. Warum soll dieses Gefühl gerade aus dem Bauch kommen? Der Bauch ist die Mitte des Körpers. Die Mitte ist dort, wo alles von außen kommende zusammenläuft. Wie bei einem Rad, bei dem sich die großen Bewegungen des äußeren Kreises über die Speichen auf die Nabe konzentrieren.

Wir sind so untrennbar mit den verschiedenen komplexen Lebensabläufen verbunden, dass wir diese ununterbrochen erfahren, diese uns geradezu bedingen. Meist reagieren wir darauf unbewusst, intuitiv.

Ein ausgestreckter Arm erfordert eine Gegenbewegung des ganzen Körpergewichtes. So können wir aufrecht bleiben ohne umzufallen. Der Körper hält die Spannung der Balance. Mit rein rationalen Überlegungen dazu wären wir überfordert.

Intuition ist vielschichtiges Wahrnehmen um komplexe Zustände zu erfassen, die über die Möglichkeiten der Informationsverarbeitung des rein logischen Verstandes hinausgeht.

In einer Welt, die alles quantifizieren und messen will, mathematische Formeln für alle Entscheidungen anwenden und vorgeben will, verkümmert die individuelle Fähigkeit intuitives Handelns und das Vertrauen in diese Möglichkeit schwindet.

Ich denke, dass intuitive Fähigkeiten auch gestärkt werden können – wie?

Proportionen und Relationen machen das innere Gefüge eines Gebildes aus.Und genau dies, die richtigen Proportionen und Relationen für eine Darstellung zu finden, ist die Absicht und Aufgabe der Kunst.

Wir merken es sofort, wenn bei einem Musikstück „falsche“ Töne gespielt werden.

Für die Kunst ist immer die Beschäftigung mit den Ereignissen einer Zeit die Ausgangslage. Es geht nur so. Der Künstler kann nur von dem ausgehen, das er selbst erfahren und erlebt hat. Er reagiert, auf Grund seiner besonderen Sensibilität, auf ihm bedeutend erscheinende Situationen. Dies sind oft Situationen, in denen eine Veränderung stattfindet. Dies kann eine Entwicklung zum Entstehen von Neuem sein oder auch ein drohendes Chaos.

Der Künstler versucht die Strukturen aus diesem allgemeinen Geschehen zu erfassen und zu extrahieren. Diese formuliert er in einem Musikstück, in einem Bild, in einem Objekt, in einem Gedicht. Die künstlerische Methode ist eine ganzheitliche und entzieht sich der rationalen Erklärbarkeit.

Die Kunst kann Menschen berühren. Der Betrachter, der sich auf ein Kunstwerk einlässt, und der davon berührt wird, wird diese Strukturen sozusagen benutzen können, um seine eigenen Erlebnisse zu interpretieren oder neu sehen zu können. Das intuitive Erfassen der fragilen Bereiche von Gleichgewicht und Balance, von Ruhe und Chaos, von Erschöpfung und Spannung wird dadurch gestärkt.

Vielleicht können so auch Lösungen gefunden und Modelle entwickelt werden, wie eine Balance innerhalb dem Spannungsgefüge erreicht werden kann.

Dies sehe ich als Aufgabe meiner künstlerischen Arbeit.

Ich bin der Ansicht, dass die Intuition der Kunst als Gegengewicht zum rationalen Erfassen nötig ist.

Nichts ohne das Andere